Tax Compliance als echter Mehrwert: Leere Kassen, mehr Kontrolle
Der Bundesrat hat am 10. Juli 2026 der geänderten Außenprüfungsordnungsordnung (ApO) zugestimmt. Mit der ApO und dem absehbaren Einsatz von KI-Agenten steigt die Wahrscheinlichkeit, dass steuerliche Verstöße entdeckt werden, spürbar an. Wer jetzt nicht vorsorgt, riskiert morgen teure Überraschungen. Dabei hat die Finanzverwaltung bereits durch das DAC-7 Umsetzungsgesetz mit Wirkung zum 1. Januar 2023 auch die Erprobung alternativer Prüfungsmöglichkeiten beschlossen. Der § 38 EGAO sieht vor, dass die Finanzverwaltung in Abstimmung mit dem Bundeszentralamt für Steuern (BZSt) auf Antrag des Steuerpflichtigen und unter Vorbehalt des Widerrufs für die nächste Außenprüfung Beschränkungen von Art und Umfang der Ermittlungen verbindlich zusagen kann. Voraussetzung ist, dass die Wirksamkeit eines von ihm eingesetzten Steuerkontrollsystems hinsichtlich der erfassten Steuerarten oder Sachverhalte überprüft wurde und kein oder nur ein unbeachtliches steuerliches Risiko besteht. Damit etabliert die Finanzverwaltung ein Grundsatzprinzip „Vertrauen für Vertrauen“.
Es wird deutlich, dass das Tax Compliance Management System (Tax CMS) bereits in den letzten Jahren enorm an Bedeutung gewonnen hat und diese auch noch weiter steigern wird.
Was ein Tax CMS leistet
Ein Tax CMS ist ein strukturiertes System, das Unternehmen dabei unterstützt, steuerliche Vorschriften systematisch zu erfüllen. Da steuerlich relevante Prozesse oft außerhalb finanznaher Abteilungen beginnen oder geprägt werden, erfordert die vollständige und zeitgerechte Erfüllung steuerlicher Pflichten einen unternehmensweiten Ansatz.
Es bedarf optimierter, dokumentierter Prozesse, Richtlinien, Arbeitshilfen, Schulungen und Kontrollen. Ein Tax CMS bietet dem Unternehmen verschiedene Vorteile: Haftungsrisiken werden minimiert, der Schutz vor Reputationsschäden kann erhöht werden, (Steuer-) Prozesse werden transparent gestaltet. Zudem werden Entscheidungsprozesse strukturiert und klare Verantwortlichkeiten benannt. Durch nachvollziehbare Dokumentation können Betriebsprüfungen effizienter gestaltet werden. Insgesamt führt dies zu einer nachhaltigen Stärkung der Unternehmensführung (sogenannte „Corporate Governance“).
Ein wirksames Tax CMS besteht aus sieben Grundelementen:
- Tax Compliance Kultur: Das Management („Tone from the Top“) bekennt sich zur steuerlichen Compliance und verankert sie im Unternehmen;
- Tax-Compliance Ziele: Definition der steuerlichen Ziele, wie z.B. die vollständige und fristgerechte Abgabe von Steuererklären;
- Tax Compliance Risiken: Identifikation und Bewertung wesentlicher steuerlicher Risiken
- Tax Compliance-Programm: Maßnahmen zur Risikominimierung, wie Richtlinien, prozessuale und automatisierte Kontrollen (z.B. IT-gestützte Prüfungen);
- Tax-Compliance-Organisation: definiert Auf- und Ablauforganisation, inkl. Verantwortlichkeiten (Rollen, Ressourcen und Vertretungen);
- Tax Compliance Kommunikation: Information der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie externe Berichterstattung;
- Tax-Compliance-Überwachung und Verbesserung: Laufendes Monitoring und regelmäßige Überprüfung (intern/extern) des Systems zur stetigen Anpassung.
Fazit: Vorsorge zahlt sich aus
Ein funktionierendes Tax CMS ist mehr als eine Pflichtübung. Es reduziert Compliance-Risiken, schafft nachvollziehbare und transparente Entscheidungswege und liefert im Prüfungsfall den Nachweis strukturierter Präventionsarbeit. Angesichts steigender Prüfungsintensität ist das kein „Nice-to-have“ mehr, sondern ein handfester Wettbewerbsvorteil – für Unternehmen, die heute die Weichen richtig stellen.